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Geschichte der FN

Aufbau und Ausstattung der Fridtjof Nansen

Bau und Umbauten sind auf den Nutzen gerichtet

1919 lief das Schiff im dänischen Kalundborg als der 27 m lange Gaffelschoner "Edith" vom Stapel. Das Fahrtgebiet war Nord- und Ostsee. Die bunte Ladungspalette reichte von Stückgut bis zur Apfelladung im Bulk. Ob das Schiff mehr als eine Million Seemeilen in rund 80 Jahren zurückgelegt hat, kann nur erahnt werden. Fuhr man doch als Küstenschiffer auf seinem Schiff unermüdlich rund ums Jahr und gönnte sich nur bei Eisgang im Winter eine kurze Pause.

Nach einem ersten Eignerwechsel 1922 und der Umbenennung in "Frederick Fischer" war der Küstensegler dann nach einer weiteren Namensgebung seit 1934 bis 1981 unter Kapitän Hinnerk Jungcluas als "Gertrud II" in Fahrt. In dieser Zeit wurde der Segler aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung nach dem II. Weltkrieg und umfangreicheren lasten dann auf 43 m verlängert und zum reinen Küstenmotorschiff "modernisiert". Doch bis 1956 setzte man nach den Erzählungen des damaligen langjährigen Eigners immer mal wieder Segel, wenn der Wind günstig stand, um Brennstoff zu sparen.

1981 übernahm Kapitän Hanns Temme das Schiff und setzte es zunächst weiterhin in der Küstenfahrt ein. Nach seinen langfristigen Vorstellungen sollte es jedoch zum Segelschiff für die Jugendarbeit umgebaut werden. Im Sommer 1991 wurde die betagte, noch durchaus rüstige Dame nach Wolgast überführt. Mit Hilfe von ABM-Maßnahmen auf der ehemaligen Marinewerft an der Peene wurde sie einer sachkundigen Verjüngungskur unterzogen. Mit über 200 ABM-Kräften gelang es, den Umbau in nicht ganz einem Jahr zu realisieren. Bereits am 25. März 1992 konnte der Dreimast-Großtoppsegelschoner, getauft von der Enkelin des norwegischen Polarforscherns Fridtjof Nansen, Margret Greve, unter dem neuen Namen "Fridtjof Nansen" vom Stapel laufen. Damit wurde das Schiff seiner neuen Bestimmung in der Jugendarbeit im Rahmen von gemeinnützigen Vereinen übergeben. Bereits 1992 ging es zur Erprobung unter Segeln zum ersten Mal nach Übersee.

In seinem Aufbau bewußt einfach gehalten, orientiert an seinen alten traditionellen Vorbildern, aber auch mit modernen Sicherheitseinrichtungen und Kommunikationsmitteln ausgestattet, konnte das Schiff seinen vielfachen Anforderungen gerecht werden. Dies geschah nicht zuletzt mit vielen ehrenamtlichen Helfern aller Altersklassen, männlich wie weiblich, denen die Faszination des Segelns auf alten Segelschiffen etwas auf dieser Welt bedeutet.

Rigg und Segel

 

Der eigentlich als Gaffelschoner gebaute Segler wurde beim Umbau 1991 als Dreimast-Großtoppsegelschoner aufgeriggt. Die Segelfläche beträgt rund 850 qm. Schoner sind Segler, die hauptsächlich Schratsegel - in Schiffslängsrichtung stehende Segel - fahren. Die Gaffel- und STagsegel an den drei Masten kennzeichnen die "Fridtjof Nansen" als Dreimastschoner. Zusätzlich hat das Schiff noch Rahsegel. Im Unterschied zu herkömmlichen Toppsegelschonern fährt die "Fridtjof Nansen" Rahsegel nicht nur am Schoner-, sondern auch am Großmast. Daraus leitet sich eine weitere geläufige Bezeichnung für diese Schiffskategorie in Kombination von Schrat- und Rahsegeln, nämlich als Jakasbark ab.

Auf den drei Untermasten aus Stahl, dem Schoner-, Groß- und Besanmast, sitzt jeweils eine Verlängerung aus Holz, Stenge genannt. Diese Art der Mastverlängerung weist eine weitaus größere Stabilität auf, als wenn der mast aus einem Stück ist. Damit ist eine "Sollbruchstelle" eingebaut um bei einem eventuellen Mastbruch nicht den gesamten Mast austauschen zu müssen. Dieser wäre in voller Länge nicht oder nur mit großem Aufwand zu ersetzen. Die STenge ist mit dem Eselshaupt an dem Untermast befestigt und steht mit dem unteren Ende auf der "Ausguckplattform", Saling genannt. Dann gibt es an den beiden vorderen Masten, Schoner- und Großmast, noch die Rahen, an denen die verschiedenen Rahsegel angeschlagen sind.

Ausstattung

 

In den drei Kabinenzonen - vorder-, mitt- und achterschiffs - befinden sich 48 Kojen auf 10 Kabinen verteilt: jeweils 1 für Kapitän und Steuermann, 2 als Hospital, 10 für Stammbesatzung und 32 für Mitsegler. In jeder Kabinenzone befindet sich eine Dusche mit fließend Kalt-, Warm- und Seewasser, sowie eine Toilette. Die Toiletten sind teilweise noch die typischen Pumpklos. Generell gilt "Kein Papier in die Becken !". Dafür gibt es Hygieneeimer. Der Maschinist wird es danken, denn es ist wirklich eine Strafarbeit, solch ein nostalgisches Pumpklo in seine Bestandteile zu zerlegen, um es von Papier oder anderen Verstopfungen zu befreien.

Räumlichkeiten

Die Räume sind weitestgehend in Massivholz ausgebaut, wofür heimische Hölzer Verwendung fanden. Insgesamt wurde bei der Restaurierung auf umweltfreundliche Bauweise geachtet. Mittschiffs befindet sich auch die Messe und der "Thing"raum. Die Messe ist mit 4 Tischen für je 10 Personen ausgestattet. Das Thing verfügt über eine Tafel, eine kleine Bibliothek und bietet 20 Schülern Raum zum Lernen und Zusammensitzen. Die Ausstattung ist einfach, praktisch und seetauglich.

Auch eine eigene Werkstatt ist mittschiffs untergebracht und mit allen wichtigen Werkzeugen für Reparaturarbeiten ausgerüstet. Sogar eine Nähmaschine für Segeltuch ist vorhanden, damit ein Segel auch mal geflickt werden kann. Jeder handwerkserfahrene Mitsegler ist gern gesehen, denn an einem Traditionsschiff gibt es immer wieder Dinge zu restaurieren und instandzusetzen. Mittschiffs liegt auch die Kombüse, in der für alle gekocht und Brot gebacken wird, sowie zwei Lagerräume für den Proviant.

Im Vorschiff befindet sich der Kettenkasten – ein Raum, wo die zwei über 120 m langen Ankerketten verstaut sind. Ein Meter dieser Kette hat etwa 30 kg Gewicht. Des weiteren sind hier eine 6er und eine 12er Kabine. Bei hohem Seegang ist gerade das Schlafen im Vorschiff eine interessante Begebenheit. Die Bewegungen des Schiffsrumpfs sind hier am stärksten zu spüren. Nichts für Leute, die sich nicht gerne in den Schlaf wiegen lassen.

Im Achterschiff hat der Kapitän sein Domizil. Daneben liegen die Steuermannskabine und das Hospital. Auch der Maschinist ist hier untergebracht, da von hier aus der Zugang zum Maschinenraum besteht. Weiterhin ist eine 4er Kabine für die Stammcrew, meistens die Wachführer - auch Toppsgasten genannt, - vorhanden. Neben einem kleinen Salon ist auch der Navigationsraum achtern, wohl der wichtigste Ort an Bord und als einziger auf modernen Stand gebracht: Vom Radar über Seefunk bis hin zum GPS ist alles vorhanden. Selbst eine Feuermeldeanlage wurde aus sicherheitstechnischen Gründen installiert. Hier werden die Routen festgelegt, der Kurs kontrolliert und über Seekarten gefachsimpelt. Ebenso wichtig ist hier das tägliche Empfangen und Interpretieren des Seewetterberichts.

All dies zusammen bildet einen Mikrokosmos, eine geschlossene Einheit, die nur dann funktioniert, wenn jeder sich an die einfachen Regeln des Miteinander hält. Jeder ist herzlich willkommen in der Welt der Abenteurer und Idealisten, die dieses Schiff am Leben erhalten.

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